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Wie ich zur Avci Wing Tsun Selbstverteidigung kam und was es mir brachte Ende 2002 hatte ich eine Operation in einer Fachklinik aufgrund eines bösartigen Tumors.Trotz deiner erreichten 65 Jahre, gerade Altersrentner geworden, kommst du sicher bald wieder auf die Beine dank deiner so recht guten Konstitution und wirst bald deine alte Leistungsfähigkeit wieder erlangen. So dachte ich. Der Eingriff verlief ganz normal aber das „wieder so richtig auf die Beine kommen“ fiel doch schwerer als vorhergesehen. Es zog sich hin, trotz aller meiner Bemühungen durch körperliche Aktivitäten z.b. im eigenen Garten, Radfahren und im Rahmen einer vierwöchigen Kur mit Anleitung durch Physiotherapeuten und Sportübungsleiter.Aber mit dem Ergebnis war ich nicht zufrieden. Das Treppensteigen zur Wohnung im 3. Stock ging noch nicht flüssig wie vorher. Aufzug wird schon immer vernünftigerweise nicht benutzt. Also, weiter, keine körperliche Schonung, das alte Leistungsvermögen muss wieder erreicht werden, komme was wolle.Durch Zufall stellte sich ein Werbeträger in Nähe unserer Wohnung in den Weg. Darauf wurde versprochen, dass man an einem effizienten Training der Selbstverteidigung nach Avci Wing Tsun teilnehmen könne. Es waren noch besondere Vorzüge wie realistisch, funktionell, einfach auch für Frauen zu erlernen dargestellt. Das war es, was mir vorschwebte und mir weiterhelfen würde, um damit wieder richtig körperlich fit zu werden. Also, für mich im doppelten Sinn nützlich, da ich dabei noch lernen könne, wie man sich gegen einen Angriff durch einen auch körperlich stärkeren Gegner behaupten kann. Schon als Jugendlicher und auch später in reiferem Alter fand ich es toll und faszinierend, was Judo- und andere Kampfsportler durch geschickte Griffe oder gekonnte Würfe so Tolles mit ihren Gegnern anzustellen wussten. Das wollte ich auch noch lernen, wenn es dazu nicht schon zu spät sei.Nach einigen Auskünften durch den Magdeburger Avci Wing Tsun-Lehrer Holger ging es für mich am 7.1.2004 erstmals zur Sache. Froh war ich, dass mit mir noch weitere Neulinge in den Kreis der schon Fortgeschrittenen unkompliziert aufgenommen wurden und es ging gemeinsam mit den „ alten Hasen“ wie selbstverständlich los. Aber eine Schwierigkeit gab es noch zum Anfang: Ich war mit meinen immerhin 65 Jahren mit großem Abstand der weitaus Älteste. Die anderen waren deutlich jünger, so zwischen 12 und 40. Was mögen die so denken über einen so alten Knochen, der es scheinbar noch mal wissen will. Also, tief Luft geholt und durch oder erst mal mitgemacht, mal sehen wie es so läuft. Es lief so, dass sich mit jedem Training meine Bedenken mehr und mehr abbauten und ich mir nach 4 Wochen vornahm, ein ganzes Jahr durchzuhalten. Und das fiel zum Anfang mit den ungewohnten Bewegungen bei den altersbedingten doch schon angerosteten Gelenken und geschrumpften Sehnen und Bändern nicht so ganz leicht. Tage drauf spürte ich noch die absolvierten Übungen in den Knochen und den wieder aktivierten Muskelbereichen. Aber ich spürte auch den angenehmen Erschöpfungszustand nach einer Trainingseinheit, der tatsächlich zur Wiederholung motiviert und sich bis zu Glücksgefühlen steigern kann, besonders wenn man sich zum Training mal überwinden muss (man hat nicht immer vorher die gleich große Lust) und man den inneren Schweinehund doch durch Teilnahme überwunden hat.Noch eine Stufe weiter sollen bei hartem Training sogar freigesetzte Glückshormone so genannte Endorphine nach Meinung von Sportmedizinern dieses Gefühl verstärken und z.b. über das Immunsystem zur besseren Gesunderhaltung beitagen. Ob es schon soweit mit mir gekommen ist? Ich möchte dran glauben, auch das soll helfen. Nach etwa einem halben Jahr Teilnahme hatte ich Schritt für Schritt mein altes Leistungsvermögen wieder zurückerlangt und das mit einer verbesserten Beweglichkeit, was ich ohne die gemeinsamen, fachgerecht angeleiteten Trainingsstunden niemals hätte allein erreichen können.Meinen Vorsatz, ein Jahr durchhalten habe ich längst aufgegeben und durch unbefristet, ohne Enddatum ersetzt, woran auch die gute Gemeinschaft und der offene, gleichberechtigte Ton innerhalb der Gruppe und zum Trainer wesentlichen Anteil hat. Ich fühle mich dadurch körperlich und auch psychisch deutlich besser und wüsste mich zugleich anderen gegenüber im Notfall besser zu behaupten, nur wenn es unbedingt sein muss. Auf jeden Fall hat sich meine Lebensqualität durch diese sportliche Betätigung deutlich verbessert. Ich hoffe, ich kann es noch möglichst lange nutzen. Harold Macholz, 6.SG Avci Wing Tsun, 3.SG Avci Escrima
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